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Claudia Brefeld                                                                     artgerecht & ungebunden




Rengay

 

 

 

Rengay - Werke



2013

Träume schwinden
Holweger / Brefeld

verirrt
(Doppel-Rengay)
Brefeld / Hofrichter / Krebs



2012

aufgelesen
Hofrichter / Brefeld

erloschene Kerzen
Heinisch / Brefeld

Dort, wo die Mauer stand
(Doppel-Rengay)
Brefeld / Stania



2011

Auflösen
Brefeld / Bröker

.... dich vernommen
Brefeld / Hofrichter

Strandgut
(Doppel-Rengay)
Stania / Brefeld

Im Aufwind
(Graphic-Rengay)
Brefeld / Heinisch


unter Arvenzweigen
Brefeld / Stania

Offene Weite
d'Alessandro / Brefeld



2010

Vier-Elemente-Zyklus
Brefeld / Gewi / Mathois

Tauwetter
Stania / Brefeld

Wind übers Land
Lesener / Brefeld / Hartmann

Muscheln in der Hand
Hofrichter / Brefeld



2009

Immer weiter
Brefeld / Stehr

Funkenflug
Brefeld / Hartmann

Eingeholt
Brefeld / Mathois

Rügen-Zyklus
(sechs Rengay)
Brefeld / Heinisch

Der Mond rundet sich
Brefeld / Reinhard

Haut an Haut
Brefeld / Reinhard

Blickkontakt
Reinhard / Brefeld

in Bewegung
Reinhard / Brefeld

jeweils siehe:

Gabriele Reinhard



2008

Farbwechsel
Brefeld / Heinisch

Ruhraufwärts
Brefeld / Heinisch

siehe:

Tina-s-Page



2007

Stiefmütterchen
Brefeld / Pfaller

Weiße Stapfen
Brefeld / Flamm



2006

Mit nackten Füßen
Kempen / Brefeld

Losgetreten
Conrad / Brefeld / Kempen

  Rengay - die Gedichtform


Kettengedichte (jap.: renga bzw. mod. > renku), wie sie uns in bester japanischer Tradition bekannt sind, erscheinen beim ersten Hinsehen und Verstehen recht kompliziert und formal durchstrukturiert und machen somit bei deren Entstehen eine Schreibleitung unumgänglich. renga-/renku-Formen bestechen durch ihre Vielfältigkeit und Themenwechsel innerhalb der Werke und durch ihre unterschiedlich festgelegten Längen. Gerade die Länge eines renga/renku kann aber auch in mehrfacher Hinsicht Schwierigkeiten bereiten: zum einen ist es problematisch, während einer renga-/renku-Sitzung ein gesamtes Werk entstehen zu lassen, zum anderen findet man selten Werke dieser Länge (bekannteste renga-/renku-Form ist das kasen mit 36 Strophen) in Zeitschriften veröffentlicht.

 

Auf Grund dieser Problematiken suchte der Amerikaner Garry Gay nach Alternativformen und konzipierte eine Themen orientierte Kettendichtung, bestehend aus sechs Strophen, die in der Regel von zwei oder drei Autoren/innen geschrieben werden - das Rengay. Der Begriff Rengay setzt sich aus der Silbe ren (von renga/renku, ren > verbunden) und den Nachnamen Gay zusammen. Trotz der namentlichen Ähnlichkeit handelt es sich bei renga/renku und Rengay um zwei völlig verschiedene Formen.

 

Das Rengay besitzt ein definiertes Strophenmuster. Ursprünglich für zwei Autoren gedacht (A und B) entstand zuerst folgende Struktur:

 

A - 3-zeilig

B - 2-zeilig

A - 3-zeilig

 

B - 3-zeilig

A - 2-zeilig

B - 3-zeilig

 

Später wurde eine Vorlage für drei Autoren (A, B und C) erarbeitet:

 

A - 3-zeilig

B - 2-zeilig

C - 3-zeilig

 

A - 2-zeilig

B - 3-zeilig

C - 2-zeilig

 

Das renga/renku ist geprägt vom Anskizzieren eines Jahreslaufes, seine Lebhaftigkeit und Fülle zieht es aus dem breiten Spektrum der Themen und dem Spiel zwischen den Dichtern/innen.
 

Demgegenüber stellte Garry Gay das Rengay, dessen Tiefe und Intensität durch das Verweilen in einem Moment entsteht. Zu Beginn der Sitzung wird ein Thema festgelegt. Themenbeschränkungen gibt es keine, wobei sich ein Rengay im trad. Stil bewusst einer Jahreszeit zuordnen wird. Und natürlich sollten sich die Beteiligten vorher einigen, ob die Verse im 5-7-5 und 7-7-Silbenmuster (in Anlehnung an die Moren-Zählung*) geschrieben werden, oder in freier Silbenzahl.

Die Überlegung, ob eine lineare Folge eingehalten wird, Anschlüsse und Sprünge zwischen den Strophen vorgesehen sind, oder aber die Prinzipien „link“ und „shift“ als bewährte Methode genutzt werden, sollte vorab von den Autoren/innen geklärt werden. Es muss also nicht zwingend am vorherigen Vers angeknüpft werden, eine Verkettung z.B. zum Startvers oder ein Rückwärtsschreiten ist ebenfalls denkbar.


Grundsätzlich ist auch eine Mehrfachverwendung von bedeutungstragenden Wörtern möglich. Wichtig hingegen ist, nicht zu weit vom vorgegebenen Thema abzuschweifen - das Rengay verliert dadurch an Kraft und droht zu zerfallen, das heißt, die Verknüpfungen zwischen den Strophen bleiben zu vage. Die Schwierigkeit liegt in der Balance der Verse zueinander. Zu eng beieinander, zu weit von einander entfernt - der Austausch untereinander und die Akzeptanz der Autoren/innen sind wichtig, gleichwohl aber auch die Perspektiven jedes Einzelnen, die im Ergebnis den Esprit des Gedichtes ausmachen können. Letzteres wird außerdem durch die Haiku-Qualität der Verse innerhalb des Rengay erreicht. Hier sind die Fähigkeiten der Autoren/innen zum suggestiven Schreiben gefordert.

Nach Abschluss der Dichtung gilt es, eine Überschrift zu finden, die in der Regel ein charakteristisches Wort oder eine Wortkombination aus dem Werk aufgreift.

 
 

Alles in allem also eine attraktive Form der Gemeinschaftsdichtung, die nicht zuletzt auf Grund ihres überschaubaren Regelwerkes zum kreativen Experimentieren einlädt (z.B. Gabel-Rengay, Sternen-Rengay, Geheimnis-Rengay).

 

An dieser Stelle sei das Ein-Autoren-Rengay erwähnt, eine interessante, aber zugleich auch anspruchsvollere Alternative zur Sequenz oder zum Themen-Zyklus.

Die Schwierigkeiten beim Komponieren eines Ein-Autoren-Rengay sind schnell erkennbar. Das Spannungsgefüge, das sich aus den zwei (drei) unterschiedlichen Sichtweisen der Autoren/innen ergibt, wird hier zur besonderen Herausforderung: ein Autor müsste mit zwei inneren Stimmen schreiben. Das Unerwartete, der unvorhersehbare Dreh erfolgt hier von ein und derselben Person. So gesehen dürfte der Ausgang des Rengay schon zu Beginn angedacht sein. Eine Qualitätskontrolle der Autoren/innen untereinander kann nicht stattfinden. Aber auch hier gilt: Thema, Struktur und die Haiku-Qualität der einzelnen Verse müssen eingehalten werden.

 

 

Garry Gay ist Berufsfotograf (seit 1974) und Dichter. Beeinflusst durch Bashōs „Oku no Hosomichi“ begann er 1975 Haiku zu schreiben. Er war Mitbegründer der „Haiku Poets of Northern California“ und in den Jahren 1989-1990 ihr erster Präsident. 1991 wurde er zum Präsidenten der Amerikanischen Haiku-Gesellschaft (HSA) gewählt.


*Jede Mora (Mehrzahl Moren) wird in Kana (= jap. Schriftzeichen) durch jeweils ein Zeichen wiedergegeben und gilt in der Poesie als rhythmische Einheit. Sie ist nicht gleichzusetzen mit der Silbe. Siehe auch Mora. Trotzdem wird allgemein der Begriff Silbenschema verwendet.

 

 

Claudia Brefeld  (6-2-2007)
letzte Änderung: 10-8-2010

 

 

Literatur:

 

Garry Gay on Rengay (Stand 6-2-2007):

http://www.nc-haiku.org/pdf/RengayWriting.pdf

 

The Long Way Home - Garry Gay (Stand 6-2-2007):

http://www.brooksbookshaiku.com/ggayweb/

 

Joan Zimmerman - The Rengay Verse Form (Stand 6-2-2007):

http://www.baymoon.com/~ariadne/form/rengay.htm

 

Haiku heute - Garry Gay talks with Udo Wenzel : The Moment of Awe (Stand 6-2-2007):

http://www.haiku-heute.de/Archiv/Garry_Gay_04-2006/Garry_Gay_e_04-2006/body_garry_gay_e_04-2006.html

 

Haiku heute - Gerd Börner: ”Das Rengay” (Stand 6-2-2007):

http://www.haiku-heute.de/Archiv/Rengay_Gerd_Boerner/rengay_gerd_boerner.html

 

 

letzte Änderung: 28-3-2014